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FREIWILLIGE BEGEISTERN

Was erwarten Jugendliche von ihrem freiwilligen Einsatz?

Jede Organisation sucht sie, jede Organisation braucht sie, doch den wenigsten gelingt es, sie richtig aufzunehmen – junge Freiwillige. So endet ein Engagement oft, bevor es überhaupt richtig angefangen hat. Dies liegt u.a. daran, dass zwar viel Energie und Arbeit investiert wird, Jugendliche auf ein Engagement aufmerksam zu machen, die wenigsten Organisationen setzen sich jedoch ausreichend damit auseinander, was konkret passiert, wenn ein junger Freiwilliger an der Tür klopft.

In PULS Camps in ganz Deutschland und unserer bundesweiten Evaluation haben wir Jugendliche gefragt, worauf es ihnen bei ihrem Freiwilligen Engagement ankommt.

Diese Erfahrungen möchten wir gerne an Sie weitergeben, um diese Herausforderung zukünftig besser zu meistern:

Jugendliche suchen nach freiwilligen Einsätzen,…

echter Bedarfkeine Handlangerschnell aktivmit Menschenmit Begleitung

 …die einen echten Bedarf abbilden:
Erklären bzw. zeigen Sie dem Jugendlichen,
inwiefern seine Tätigkeit auf das große Ganze einzahlt bzw. damit in Verbindung steht.
Künstlich geschaffene Aktionen ohne Mehrwert für Einrichtung oder Nutzer*innen ihrer
Einrichtung sind nicht nur für Sie verschwendete Zeit.

…in denen sie keine Handlanger sind: Jugendliche wollen nicht losgelöst vom
Kernteam arbeiten, sondern im besten Fall mit ihnen zusammen bzw. sich als Glied in
einer Arbeitskette verstehen, die zusammen etwas leistet.
…in denen sie schnell ins Handeln kommen: Jugendliche wollen schnell konkret ohne
viele Hürden etwas bewegen. Deswegen bestmöglichst schnell praktisch ran ans Werk
lassen und Theorie stückchenweise einbauen.
 …mit Menschen anstatt nur für Menschen: Bringen sie die Jugendlichen mit den
Menschen in Kontakt, die sie in ihrer Einrichtung unterstützen. Im besten Fall
beschäftigen sich die Jugendlichen direkt mit/für die Personen. Ist der Einsatz mit
Menschen direkt nicht möglich, dann lassen sie die Jugendlichen nach ihrem Einsatz
erleben, wie das Geschaffenen bei der betroffenen Zielgruppe ankommt, für wen sie
diese Arbeit geleistet haben bspw. nach einer Garten- bzw. Renovierungsaktion sind
die Jugendlichen dabei, wenn die Bewohner*innen den Raum das erste Mal betreten.
…in denen sie eine Bezugsperson haben: Planen Sie Zeit ein, den Jugendlichen die
Aufgabe zu zeigen. Unterstützen Sie sie mindestens in der ersten halben Stunde.
Müssen Sie andere Aufgaben erledigen, kommunizieren Sie, was Sie jetzt tun und wo
die Freiwilligen Sie bei Fragen finden. Schauen Sie regelmäßig nach den Jugendlichen
und fragen Sie nach, wie es läuft. Sind die Freiwilligen frühzeitig fertig, schauen Sie
sich nach einer weiteren Aufgabe um oder bieten an, dass sie Ihnen über die Schulter
schauen. Nichts ist für die Jugendlichen schlimmer, als nutzlos herumzustehen bzw.
das Gefühl zu haben, ihre Zeit zu schenken, während die eigentlichen Angestellten
nichts zu tun haben.

Auch diese Fakten und Praxistipps können für Sie hilfreich beim Umgang mit jungen Freiwilligen sein:

Warum engagieren? Jugendliche wollen durch Engagement einen Mehrwert erleben.

Unsere Erfahrung zeigt dabei, dass der Mehrwert nicht immer gleich aus Spaß, neuen Freunden und Geld bestehen muss:

SelbstbestätigungAusprobierenFreundeSpaß
Fakt: Jugendliche suchen nach positiver Selbstbestätigung, welche sie im Engagement
besonders dann erfahren, wenn sie selber anderen Leuten etwas beibringen oder
unterstützen können. Oft genug wird ihnen erzählt, wie sie etwas zu machen haben
und das Gefühl gegeben, Dinge nicht zu können.

Für die Praxis: Zeigen Sie den Jugendlichen, dass Sie interessiert sind auch etwas von ihnen zu lernen. Erfragen Sie ihre Sicht der Dinge, lassen Sie sich Feedback geben und bestärken
Sie die Jugendlichen darin, dass sie selber in der Lage sind bspw. einen Streit zwischen zwei
Kindern zu schlichten, einen Flyer für Ihre Einrichtung zu gestalten, eine Oma zum Lachen zu
bringen. Geben Sie anschließend Feedback. Viele Jugendliche haben eine negative
Selbsteinschätzung und sind dann überrascht zu sehen, was sie eigentlich alles können.
Bspw. bekam eine Teilnehmerin von Lehrer*innen und Eltern immer vermittelt, welche schlechten
sozialen Kompetenzen sie hat. Bei der Betreuung von Kindern in der Arche kam sie dann
selbst in die Rolle den Kindern Werte und Verhaltensregeln zu vermitteln. Dieser
Perspektivwechsel war für sie eine ganz bewegende Erfahrung.

Fakt: Jugendliche suchen Räume sich auszuprobieren und in denen sie scheitern
können, was in Schule und Arbeitswelt nicht geht, da sie durch Leistungsdruck,
abgesteckte Arbeitsfelder und Hierarchien in ihrem Handeln eingeschränkt sind.

Für die Praxis: Schenken sie Vertrauen. Auch wenn die jungen Freiwilligen/PULS Teilnehmer*innen nur für ein, zwei Tage Teil des Teams werden, ist es wichtig, ihnen Vertrauen zu schenken, ihnen das Gefühl
zu geben, willkommen zu sein und Verantwortung für eine Aufgabe zu übertragen, die sie als
interessant und spannend empfinden. Ein solcher Umgang sorgt für positive Erfahrungen im
Zusammenhang mit ehrenamtlicher Mitarbeit und macht die Jugendlichen offen für ein
Engagement über das Camp hinaus.

Engagement vermitteln. Die entfachte Motivation zu nutzen wissen.

proaktiv werdenBegeisterung
Fakt: Jugendliche wollen proaktiv angesprochen und geworben werden.

Für die Praxis: Nach dem Camp ist vor dem Camp. Fragen Sie den Jugendlichen nach seinen

Kontaktdaten. Notieren Sie sich Name, E-Mailadresse und Handynummer der interessierten
Teilnehmer*innen, um nach dem Camp Kontakt mit ihnen aufnehmen zu können.
Bereiten Sie ein Handout vor, auf dem Sie die Engagementmöglichkeiten für Jugendliche in
Ihrer Organisation/Einrichtung kurz beschreiben, anstehende Veranstaltungen/Termine
aufführen und Ihre Kontaktdaten angeben. Geben Sie den Jugendlichen Flyer über Ihre
Organisation mit. Vereinbaren Sie bei erkennbarem Interesse direkt einen Termin für ein
fortführendes Gespräch. Zeigen Sie, dass Sie auch offen für neue Engagement-Ideen sind und
wenden sie sich bei Unterstützungsbedarf an die PULS Mitarbeiter*innen.

Fakt: Jugendliche lassen sich von der Begeisterung anderer anstecken.

Für die Praxis: In Ihrer Einrichtung sind bereits andere Ehrenamtliche aktiv oder es gibt Mitarbeiter, die mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit bei Ihnen angefangen haben? Bringen Sie
die Jugendlichen mit den „alten Hasen & Häsinnen“ zusammen. Ihre Begeisterung für die Organisation
kann die Jugendlichen anstecken, dort selbst aktiv zu werden.